Care schafft Arbeit – Ein Modell gegen den Fachkräftemangel
„Deutschland hat kein Migrationsproblem. Es hat ein Strukturproblem.“
– und dieses kostet jedes Jahr Milliarden an nicht genutztem Arbeitsvolumen.
Während Wirtschaftsverbände, Parteien und Talkshows auf Fachkräftemangel, demografische Krise und schrumpfendes Potentialwachstum hinweisen, bleibt ein struktureller Lösungsansatz seltsam unterbelichtet:
Die Verbindung von Migration, sozialer Infrastruktur und einem investiven Sozialstaat.
Was wäre, wenn man Migration nicht als Belastung denkt – sondern als produktives Element?
Und wenn man den Sozialstaat nicht länger als reinen Transferstaat begreift, sondern als Ermöglichungsstaat?
Wir haben gerechnet. Die Ergebnisse sind überraschend konkret.
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🔁 Zehn Jahre, 100 Milliarden – ein Modell gegen Arbeitskräftemangel
Angenommen, Deutschland würde über zehn Jahre hinweg jährlich 10 Mrd. Euro zusätzlich investieren in:
• Pflegeinfrastruktur
• Kindertagesstätten und Ganztagsschulen
• berufliche Integration von Migrant:innen
• Wohnraumbeschaffung und Verwaltungsmodernisierung
Was passiert dann?
Jahr Neue VZÄ/Jahr Kumuliert nach 10 Jahren BIP-Mehrwert jährlich (ab Jahr 10)
Care + Kinderbetreuung ~120.000 ~1,2 Mio ca. 90 Mrd. €
Integration + Migration ~70.000 ~0,5 Mio ca. 37,5 Mrd. €
Gesamt ~190.000 ~1,7 Mio ~127 Mrd. € jährlich
Grundlage: Ø-Bruttowertschöpfung pro Erwerbstätigen = 75.000 €/Jahr (real)
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📊 So funktioniert das Modell (vereinfacht)
1. Kitaplätze + Ganztagsschulen entlasten Eltern
→ Erwerbszeit (v. a. bei Frauen) steigt
→ Ø +0,5 VZÄ je gewonnene Mutter
2. Pflegepersonal durch Zuwanderung & Ausbildung aufstocken
→ pflegende Angehörige können (wieder) arbeiten
→ direkte & indirekte VZÄ-Effekte
3. Migrant:innen schneller integrieren durch Bildung & Anerkennung
→ Erwerbsbeteiligung steigt schneller, nachhaltiger
→ bis zu 100.000 neue Erwerbstätige pro Jahr
4. Wohnraum & digitale Verwaltung ermöglichen Teilhabe
→ Beschäftigungsmobilität ↑, Arbeitsmarktzugang ↑
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🧮 Ergebnis nach 10 Jahren:
Kennzahl Wert
Gesamte Investitionen 100 Mrd. €
Neue Vollzeitäquivalente (VZÄ) ~1,7 Mio
BIP-Zuwachs (real, zum Basisszenario) +3,0 %
Fiskalische Dividende (Steuern + Einsparungen) ~30–40 Mrd. €/Jahr
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🚦 Vom Transferstaat zum Ermöglichungsstaat
Die entscheidende Erkenntnis:
Care-Arbeit ist kein Kostenfaktor, sondern Wachstumsmotor.
Der Sozialstaat kann mehr sein als ein Sicherungsnetz.
Er kann ein Produktivitätsmultiplikator sein – wenn man ihn nicht auf konsumtive Transfers beschränkt (z. B. Mütterrente oder Rente mit 63), sondern strategisch investiert.
Bisher: Transferstaat Perspektive: Investitionsstaat
Mütterrente Ausbau von Kita & Ganztag
Pflege durch Angehörige Pflege durch Fachkräfte
Teilzeitfalle Erwerbspotenziale erschließen
integrationspolitisches Stückwerk gezielte Qualifizierung & Anerkennung
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🧠 Ökonomisches Fazit:
Für 100 Mrd. € gezielter Investitionen über zehn Jahre bekommt die Volkswirtschaft:
• 1,7 Mio neue VZÄ
• 3 % mehr BIP
• bis zu 40 Mrd. € jährliche Rückflüsse
• und einen realistischeren Umgang mit Migration
Wir müssen Migration nicht schönreden. Aber wir sollten aufhören, schlecht zu wirtschaften.
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