Pension Impossible – oder: Wie wir lernen könnten, Beamte wie Rentner zu behandeln
Ein Kommentar von Betonomist
Es ist ja nicht so, dass Michael Hüther oder Bert Rürup rechnen würden wie Erstsemester. Im Gegenteil – wenn zwei deutsche Ökonomiekoryphäen sich im Handelsblatt-Podcast Economic Challenges zur Rentenfrage äußern, darf man zu Recht ein hohes Niveau erwarten. Und deshalb hat mich ihre jüngste Einordnung zur alten Idee, Beamte in die gesetzliche Rentenversicherung zu integrieren – „nicht finanzierbar“ – auch weniger überrascht als irritiert.
Denn ganz ehrlich: Wer wie Hüther und Rürup über Jahrzehnte die deutsche Rentenpolitik begleitet hat, weiß natürlich, dass es bei dieser Diskussion nicht um Mathematik, sondern um Machtfragen geht.
Aber der Reihe nach.
Die Debatte flammte wieder auf, als Bärbel Bas, Bundesministerin für Arbeit und soziales,jüngst die Integration der Beamten in die gesetzliche Rentenversicherung erneut ins Spiel brachte – eine Forderung, die regelmäßig aus der Mottenkiste der sozialpolitischen Gerechtigkeit gezogen wird. Die Argumente dafür sind altbekannt: breitere Finanzierungsbasis, mehr Gerechtigkeit, einheitliches System. Und die Gegenargumente? Ebenfalls ein Klassiker: „nicht finanzierbar“, „Vertrauensbruch“, „zu komplex“.
Doch was steckt wirklich dahinter?
Ein Blick auf den fiktiven Beamten Müller-Schmidt hilft. Nehmen wir an, er zahlt ab 2028 zwei Jahre in die Rentenversicherung ein, bevor er 2030 in den Ruhestand tritt. Die Folge: Ein kleiner Rentenanspruch – und der Rest seiner Altersversorgung bleibt wie gehabt staatlich garantiert. Eine nennenswerte Mehrbelastung? Fehlanzeige. Der Staat zahlt ohnehin – nur eben über zwei Kanäle statt über einen. Wer will, kann das sogar als Effizienzgewinn verkaufen.
Die viel zitierte „Unfinanzierbarkeit“ entsteht also nicht, weil der Staat plötzlich mehr zahlen müsste, sondern weil sich die Logik des Systems verändert. Aus einem exklusiven, steuerfinanzierten Sonderweg wird ein transparentes, beitragsbasiertes Modell. Und das tut weh – weniger dem Haushalt als der Institution.
Die eigentliche Ironie? Die gesetzliche Rentenversicherung wird gerne als überfordert dargestellt: demografischer Wandel, Beitragslücken, Generationenvertrag am Limit. Gleichzeitig halten wir am teuersten und am wenigsten demografiefesten Versorgungssystem – der Beamtenpension – stur fest. Und wenn jemand wie Bärbel Bas darauf hinweist, kommt reflexartig: „Nicht finanzierbar.“
Warum also steigen auch gestandene Ökonomen wie Hüther und Rürup in diese Argumentation ein?
Wahrscheinlich, weil sie wissen, wo der politische Resonanzboden liegt. Weil sie wissen, dass es nicht um die Frage geht, ob man es rechnerisch machen kann (Spoiler: Man kann), sondern ob man es politisch will. Und ob man bereit ist, den kurzfristigen Übergangsschmerz in Kauf zu nehmen, um langfristig ein stabileres und faireres System zu schaffen.
Also ja – die Diskussion ist nicht absurd. Im Gegenteil: Sie ist überfällig. Und vielleicht wäre es hilfreich, wenn wir sie nicht immer gleich mit einem „geht doch eh nicht“-Stempel versehen würden. Sondern uns fragen, warum wir eigentlich so nervös werden, wenn es um gleiche Regeln für alle geht.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen